Der Vignettenfilm - eine scheinbar lose Sammlung von Einzelszenen

Das Wort Vignette ist den meisten aus dem Verkehrswesen bekannt. Hier bezeichnet es eine Gebühren-Marke, die gut sichtbar hinter der Windschutzscheibe platziert wird. Eine ganz ähnliche Funktion haben auch filmische Vignetten. Es sind auffällige Bilder, die sich Betrachter:innen ins Gedächtnis brennen und daher besonders gut für die Werbung eignen.

Was ist ein Vignettenfilm?

Die Bezeichnung für solche Eye-Catcher stammt aus dem Französischen und bedeutet so viel wie "Sammelbild". Das verleiht ihnen eine gewisse Ähnlichkeit mit den Fußball- oder Tierkärtchen, die Du vielleicht als Kind gehortet hast. In Summe betrachtet waren sie Dein ganzer Stolz; als Einzel-Exemplare ergaben sie jedoch meist wenig Sinn.
Genauso verhält es sich mit den Bildern in einem Vignettenfilm. Sie sind schön, beeindruckend und ästhetisch - scheinen jedoch nichts miteinander zu tun zu haben. Ihre einzige Gemeinsamkeit besteht darin, in ein und demselben Werbespot vorzukommen.
Erst am Ende der Gesamtlaufzeit zeigt sich der Zusammenhang zwischen den einzelnen Bildern oder Szenen. Meist erklärt eine Stimme aus dem Off, was die Darsteller-/Modeltypen aus dem Werbefilm verbindet. In der Regel ist es ein gemeinsames Lebensgefühl, das Dich zur Nutzung eines bestimmten Produktes inspiriert - und dieses Erzeugnis ist der eigentlich beworbene Gegenstand.

Wer hat's erfunden?

Vorreiter für solche Art Werbung war das deutsche Unternehmen Jägermeister. Dessen Marketing-Experten lancierten schon 1950 einen Vignettenspot, der Aufnahmen von Waldtieren mit Produktbildern des Kräuterschnapses kombinierte. Nach damaliger Auffassung war die Kreation für Jäger bestimmt - und diese Botschaft transportierte der Werbefilm vorbildlich.
Einen ganz ähnlichen Vignettenspot ließ der Rüsselsheimer Autokonzern Opel drehen, um die Einführung des Drei-Wege-Kats zu bewerben. Sein Werbefilm von 1999 zeigte epische Naturaufnahmen, die mit Louis Armstrongs Welthit "What a Wonderful World" unterlegt waren. Eine Idee, die ganz ohne Darsteller-/Modeltypen auskam und den Song nach mehr als 25 Jahren wieder in die Charts brachte.

Ein wiederentdeckter Klassiker

Beide Beispiele überzeugten das Publikum durch die ansprechende Bilderfolge und die überraschende "Auflösung". Dennoch besaß diese Form von Werbespot lange Seltenheitswert. Erst in jüngerer Zeit erlebte der Vignettenfilm ein Comeback und ist seither ein beliebtes Mittel, Produkte zu inszenieren bzw. Werbung dafür zu machen.
Statt putziger Tieraufnahmen oder idyllischer Landschaften sind im modernen Vignettenspot oft Menschen zu sehen. Sie beschäftigen sich mit den unterschiedlichsten Dingen und befinden sich in verschiedenen Situationen; wirken aber doch vereint. Spätestens am Ende des kurzen Films wird deutlich, worauf diese Einigkeit gründet - denn dann wird das Produkt, die Dienstleistung oder der Name des werbenden Unternehmens genannt.

Unberechtigte Kritik an herausragender Werbung

Das lässt den Vignettenfilm austauschbar wirken und weckt den Eindruck, die Szenen könnten nach Belieben auf andere Erzeugnisse übertragen werden. Doch so willkürlich wie sie scheint, ist die Aneinanderreihung der Einzelbilder nicht. Es gibt zwar keine Handlung; ein Drehbuch ist aber trotzdem nötig - und auch die Auswahl der Darsteller:innen folgt einem konkreten Plan.
Sie sollen die ganze Bandbreite der Zielgruppe abbilden und auch ohne Text ein bestimmtes Gefühl zum Ausdruck bringen. Zu diesem Zweck stellen Casting-Teams für einen Vignettenfilm bunt gemischte Gruppen aus verschiedenen Darsteller-/Modeltypen zusammen. Personen jeden Alters, Geschlechts oder sozialen Status' bilden das gewünschte Klientel ab und verkörpern in der Regel auch die zahlreichen Ethnien der Gesellschaft.

Das Richtige für Dich?

Das macht den Vignettenfilm zu einem hervorragenden Sprungbrett ins Model-Business. Die Suche nach vielschichtigen Darsteller-/Modeltypen gibt buchstäblich allen die Chance, in einem Werbespot mitzuwirken. Gecastet wird jede:r, die/der das gewünschte Lebensgefühl verkörpert - oft unabhängig von Herkunft und schauspielerischem Können.
Dadurch wirkt der fertige Werbefilm besonders authentisch und täuscht manchmal sogar Expert:innen. Bis heute streiten sie darüber, ob der legendäre Telekom-Spot von 2009 ein inszenierter oder ein echter Flashmob war. Damals versammelten sich über 1.000 Menschen im Leipziger Hauptbahnhof zu einem "Chor ohne Grenzen" und stimmten scheinbar spontan Beethovens "Ode an die Freude" an.
Ein Vignettenspot, der noch immer für Gänsehaut sorgt und unzähligen Darsteller-/Modeltypen eine international beachtete Bühne bot.



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