Das Werbegesicht - ein Model-Job mit Köpfchen

Wirst Du von einem Unternehmen als Werbegesicht angefragt, befindest Du Dich in bester Gesellschaft - denn diesen Job übernehmen meist Prominente. Der Star-Status ist jedoch keine Voraussetzung, um als Model mit Köpfchen zu überzeugen. Im Gegenteil: Oft haben Unbekannte die besseren Chancen, sich als Werbegesicht zu etablieren. Inwiefern, erfährst Du hier:

Ohne Vorgeschichte häufig am Besten

Die wichtigste Aufgabe eines Werbegesichts ist, Sympathie für ein Produkt oder eine Dienstleistung zu wecken. Um diesem Anspruch gerecht zu werden, muss das Model vor allem glaubwürdig erscheinen - das heißt, es soll wirken, als würde es das beworbene Produkt oder die vorgestellte Dienstleistung selber nutzen. Das fällt den Darsteller:innen umso leichter, je realistischer die "Verpaarung" ist.
Etwas tatsächlich zu konsumieren oder gut zu finden, ist jedoch keine Voraussetzung für den Job. Wichtiger sind den Werbe-Experten Charisma und Authentizität. Ein Model, das einzigartig und natürlich wirkt, vertritt das Unternehmen besser als Prominente, die bereits einen gewissen Ruf haben - weil sie diesen unwillkürlich auf das Produkt übertragen.

In der Kritik des Publikums

So erwies sich das Werbegesicht von Günther Jauch einmal als Fehlgriff. Der beliebte Moderator passte einfach nicht zu der Biermarke, die er präsentieren sollte. Zum Einen, weil er sich kurz zuvor als großer Wein-Freund geoutet hatte; zum Anderen, weil seine Auftritte stets etwas Verkopftes haben. Das harmoniert mit seiner Rate-Sendung; verleitet aber nicht gerade zum Biergenuss.

Dementsprechend floppte die Kampagne und machte einmal mehr deutlich, worauf es bei einem Werbegesicht ankommt. Die Entscheidung, wer ein Produkt oder eine Dienstleistung präsentiert, fällt zwar die Marketing-Abteilung des entsprechenden Unternehmens - das endgültige Urteil fällt jedoch das Publikum. Indem es das Model als passend oder glaubwürdig einstuft, bestimmt es über den Erfolg des Werbegesichts mit.

Überraschend zum Erfolg

Das bis heute berühmteste Beispiel für einen gut gewählten Vertreter ist Boris Becker. Sein verdutztes "Ich bin drin?!" bescherte dem beworbenen Medienkonzern AOL einen riesigen Kundenstamm - denn alle fanden sich in der Situation des Internet-Neulings wieder. Der Tennis-Star war ein sympathisches Werbegesicht und einfach nur er selbst: leicht überfordert, etwas ungelenk und am Ende überrascht.

Auch Haarpflege-Experte L'Oreal bewies mit seiner Wahl ein glückliches Händchen. Die von ihm verpflichtete VIVA-Moderatorin Heike Makatsch war als langsam ergrauende Frau absolut glaubwürdig, denn das unvermeidliche Altern des Berufs-Girlies hatten Millionen Fans an den Bildschirmen verfolgen können. Als sie im Werbespot über die unglaubliche Wirkung eines Haarfärbemittels sprach, kam das so selbstverständlich rüber, dass sie umgehend für weitere Clips gebucht wurde.

Das Für und Wider von Exklusiv-Verträgen

Und auch das ist eine Besonderheit dieses Model-Jobs: Als erfolgreiches Werbegesicht hast Du die Chance auf Exklusiv-Verträge. Das heißt, Du posierst ausschließlich für eine Marke bzw. ein einziges Produkt oder eine Dienstleistung. Um sich diesen Sonder-Status bei einem Model zu sichern, zahlen die Unternehmen in der Regel besonders hohe Honorare oder sichern ihrem Werbegesicht Prämien zu.
Das entschädigt die Betroffenen für Ausfälle, die sie durch den Exklusiv-Vertrag haben. Denn eines muss Dir als Model mit Werbegesicht klar sein: Du darfst den Kopf während einer laufenden Kampagne nur für eine:n Anbieter:in hinhalten. Schließlich verbindet er/sie sein/ihr Produkt oder seine/ihre Dienstleistung mit Deinem Aussehen - und möchte nicht der Konkurrenz in die Karten spielen.

Empfindliche Vertragsstrafen wären das eine, was Du bei Zuwiderhandlungen hinnehmen müsstest. Der größere Schaden entsteht Dir aber, weil Du Deine Glaubwürdigkeit verlierst. Wenn Du für viele Unternehmen und/oder viele unterschiedliche Erzeugnisse wirbst, kann es Dir ergehen wie Heidi Klum: Das einst schwer gefragte Model wird kaum noch als Werbegesicht gebucht.


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